Der wichtigste Yogatext und Kern der klassischen Yoga-Philosophie, auf den sich auch ganz besonders die Tradition Krishnamacharyas bezieht, ist das ca. 2000 Jahre alte Yoga Sutra des Patanjali.
In ihm wird - auch für den modernen, westlichen Menschen nachvollziehbar - beschrieben, wie die in uns verborgenen Fähigkeiten und Anlagen positiv genutzt werden können.
Yoga Sutra definiert Yoga als den Zustand, in dem die Aktivitäten des Geistes zur Ruhe kommen – zu vollkommener Sammlung. Es beschreibt einen gangbaren Weg, der es uns ermöglicht mit Hilfe von Körper-, Atem- und Meditationstechniken positive Veränderungen zu bewirken.
Im Mittelpunkt steht die Betrachtung des Geistes (Denkens und Fühlens). Es wird analysiert, wie der Geist funktioniert und wie er Einfluss auf unser tägliches Leben nimmt. Wie entsteht Leid und welche Möglichkeiten eröffnen sich uns, um von Leid und Enge (heute auch Stress) zu mehr innerer Freiheit zu gelangen.
Der Achtstufige Yoga-Weg führt Schritt für Schritt zu einem geistigen Entwicklungs-Prozess, zu einem Zustand der Ruhe, der Klarheit des Glücks und des unbegrenzten Verstehens (Samadhi).
So kann in unserem Leben mehr Ausgeglichenheit, mehr Gesundheit und Harmonie, mehr Lebensfreude und Wohlbefinden entstehen.
Viniyoga bedeutet Üben im Sinne von „für mich stimmig”. Asanas werden individuell angepasst und angemessen geübt. Nur so können wir uns dabei stirha: stabil und sukha: leicht, gelöst und wohl fühlen. Beim Üben geht es nicht um höher, weiter, besser oder „mehr ist mehr” sondern um eine tiefere, intensivere Qualität des Übens - um ein „Präsent-Sein”, „Bei- Sich-Sein”, „Verbunden-Sein”.
Dynamisches Üben und Vinyasas (Übungsfolgen) waren eine zentrale Idee Krishnamacharyas.
Die dynamische Übungsweise ist wichtig bei unserem Lebensstil (Sitzen, Stress, Leistungsdruck) und auch sehr
wichtig unter therapeutischem Aspekt. Sie hilft den Atem zu verlängern, Stress und Anspannung zu lösen und
mobilisiert die Gelenke. Wir lernen, wie wir gelöst in die Haltung kommen, um dann in richtiger Art und Weise
(Stirhasukha) im Asana statisch verweilen zu können.
> Dynamisches Üben
Die Wirbelsäule als Zentrum:
Ein wichtiges Übungsziel ist eine aufgerichtete Wirbelsäule und eine bewegliche und
kräftige Rückenmuskulatur (Balance).
Anfangs wird mehr Augenmerk auf die Beweglichkeit gerichtet, denn erst auf dieser Basis kann eine Kräftigung erfolgen, die frei von Verspannung ist. So lernt der Rücken alle Bewegungen mühelos auszuführen und Belastungen standzuhalten.
„Bei Verspannung und Schmerz ist die Rückenmuskulatur gestört. Ihr fehlt aber nicht einfach nur Kraft. Nicht fehlende Muskelmasse, sondern der gestörte Stoffwechsel, und die gestörte Koordinations- und Reaktionsfähigkeit der Muskeln sind für ihre Fehlfunktion verantwortlich. Bei fast allen Menschen mit chron. Rückenschmerzen zeigt sich eine Dysbalance, eine Dekonditionierung der Muskulatur, die im Laufe der Chronifizierung von Rückenschmerzen eine entscheidende Rolle spielt“ (Dr. Dallmann in Viveka)
Was beim Üben beachtet werden sollte:
Der Atem steht im Mittelpunkt des Übens. In dieser Tradition werden alle Körperübungen mit einer Tiefenatmung (Ujjayi Pranayama) ausgeführt. Wir können den Atem auf diese Weise verlängern, beruhigen, vertiefen und Lebensenergie (Prana) ausdehnen (ayama). Die bewusste, innig mit dem Atem verbundene Übungsweise intensiviert die Asanapraxis und wirkt sich sehr harmonisierend und heilsam auf das körperliche und seelisch-geistige Wohlbefinden aus.
Meditation ist das Aufrechterhalten der Konzentration. Der meditative Zustand ist Ergebnis eines „Beruhigungs-Prozesses”. Deshalb führt der Weg zur Meditation über achtsames Üben mit dem Körper und über das Beruhigen des Atems zum mentalen „ZurRuhe-Kommen”.
Aus der anhaltenden Konzentration und Bündelung der geistigen Kräfte auf ein Objekt (z. B. Atem, Herzraum, positive Gefühlsqualitäten ...) entsteht der Zustand der Meditation.
Innere Ruhe, Zufriedenheit, Freude und Glück
sind die natürlichen Früchte der meditativen Aufmerksamkeit. (Buddha)
